24H Le Mans: Nur virtuell, aber spannend 🎥
SCHWEIZER SIEGER Das erste virtuell statt real ausgetragene 24-Stunden-Rennen von Le Mans war nicht blosses Simracing. Nie zuvor nahmen so viele Renn- und Sim-Profis an einem Event teil – und am Ende siegten Schweizer. Die Highlights der 24H Le Mans Virtual. Es lohnt sich auch auf für Nicht-Fans von Simracing, diese vier Minuten zu investieren. […]
Die Highlights der 24H Le Mans Virtual. Es lohnt sich auch auf für Nicht-Fans von Simracing, diese vier Minuten zu investieren.
Die Zahlen sprachen für sich. 50 Mannschaften, zusammengesetzt aus 200 echten Rennfahrern und Simracing-Spezialisten aus 37 Nationen in sechs Erdteilen, kämpften in den Klassen LMP (30 digitale Oreca 07 in jeweiligen Teamfarben) und GT (20 Wagen unterschiedlicher Hersteller) um den Sieg und die Podestplätze. Das bisher grösste Rennen dieser Art lief auf der Plattform rFactor 2.
Noch echt wie nur möglich
Ich habe selbst die Probe aufs Exempel gemacht und geschaut, ob mich dies zu fesseln vermag – und ich richtete meine Augen tatsächlich immer wieder auf den ab Sonntagmorgen pausenlos eingeschalteten Monitor.
Die Qualität des Teilnehmerfeldes, der Sound der in der LMP2 einheitlich und in der GTLM unterschiedlich motorisierten Rennfahrzeuge, die Grafik, die Liveübertragung mit Moderatoren aus einem Pariser Studio und Einschaltungen in die ganze Welt, die Rennstrategien und die Rennleitung kamen der Realität so nahe wie bisher kein Computerspiel, um was es sich bei Simracing schliesslich handelt.

Spannender als die letzten echten Austragungen
Alle Akteure nahmen es aber wirklich ernst. Geboten wurde bestes Racing, was man in den letzten Austragungen der echten 24 Stunden von Le Mans, seit Toyota als einziges LMP1-Werksteam unterwegs ist, an der Spitze der Sportprototypen etwas vermisst hatte.
Den Gesamtsieg machten die auch in der Realität starken Wagen von Rebellion und das hingegen noch nie derart stark in Erscheinung getretene deutsche Team ByKolles unter sich aus. Etliche Konkurrenten aus dem realen Motorsport verbündeten sich mit professionellen Esport-Teams, deren Spezialisten viel zu den jeweiligen Erfolgen und Klassierungen beitrugen.

Duell der Simracer
Nach einer Unterbrechung infolge eines Serverproblems am späten Sonntagmorgen lagen die beiden auch bei den richtigen Langstreckenrennen mit den Startnummern #1 und #13 agierenden Wagen von Rebellion Williams Esports nur um 13 Sekunden getrennt an der Spitze, weitere zehn Sekunden zurück folgte Polesetter Bykolles – Burst Esports.
In der Schlussphase machten deren Profi-Simracer das Gesamtpodium unter sich aus, wobei der Nummer-1-Rebellion nicht mehr von der Spitze zu verdrängen war. So kamen der Genfer Louis Delétraz und der Italo-Schweizer Raffaele Marciello mit den beiden polnischen Simracern Nikodem Wisniewski und Kuba Brzezinski zum Sieg.
Gutes Omen für Louis Delétraz
Alle waren bei den echten 24 Stunden von Le Mans noch nie am Start – Delétraz wird es bei der 88. Austragung am 19./20. September erstmals für Rebellion sein. Ein gutes Omen und die beste Vorbereitung.
Louis Delétraz: «Das war eine unglaubliche Erfahrung und die bisher längste Nacht meines Lebens. Meine letzte zwei Stunden waren stressig, aber nun fühle ich mich wirklich gut. Der Dank gilt vor allem meinen Teamkollegen. Wir haben drei Wochen lang jeden Tag an unseren Simulatoren darauf hingearbeitet und sind dafür belohnt worden.»
Noch kein Hattrick für Sébastien Buemi und Toyota
Die 2018 und 2019 siegreiche Mannschaft von Toyota Gazoo Racing trat mit fünf seiner sechs Werksfahrer an, die von zwei Simracern unterstützt wurden. Das Quartett Buemi/Hartley/Yamashita/Kasdorp belegte den elften und Conway/Kobayashi/Lopez/Brient den 14. Gesamtrang. Im September streben Buemi und Toyota den Hattrick auf dem realen Circuit de la Sarthe an.
Fernando Alonso ist auch im Simracing schnell
Bestplatzierter der zahlreich engagierten ehemaligen oder aktuellen GP-Piloten war der Franzose Pierre Gasly an fünfter Position. Die Formel-1-Elite verkörperten etwa Max Verstappen und Charles Leclerc.
Fernando Alonso, der mit Buemi und Toyota bei den letzten beiden echten 24-Stunden-Rennen gewann, drehte die schnellste Runde (9.) der nicht zu den Simracing-Spezialisten gehörenden Fahrer.

Frühes aus für Simona de Silvestro
In der GTLM setzte sich das aus vier Mannschaften bestehende Porsche Esports Team mit Nick Tandy (der 2015 im 919 Hybrid seinen bisherigen grössten Triumph feierte), Ayhancan Güven (Supercup-Champion 2019) sowie den beiden Simracern Joshua Rogers und Tommy Østgaard durch.
Der Porsche mit Simona de Silvestro blieb nach einem Zwischenfall im Kiesbett stecken und schied dadurch nach zwölf Stunden aus. Nur drei der 50 Teams absolvierten nicht die vollen 24 Stunden.
Die vollständigen Resultate mit Zwischenständen nach jeder Stunde, allen Rundenzeiten und den Führungswechseln (68 unter sechs LMP-Teams) sind diesem Link zu entnehmen.