Lorenz Frey-Hilti: «Wir wären fast bereit» 🎥

WARTEN AUF SAISONSTART Emil Frey Racing erwartet in der GT World Challenge Europe eine taffe Saison. Nur im Umgang mit den neuen Pirelli-Reifen sieht Teamchef Lorenz Frey-Hilti noch ein Manko. Aber das lässt sich aufholen. Als einer der Direktoren der Emil Frey Gruppe übernimmt Lorenz Frey-Hilti in Zürich nicht nur Verantwortung in vielen Bereichen des […]

Die zwei Trios warten mit Sehnsucht auf den Saisonstart. Von links Franck Perera (F), Giacomo Altoè und Albert Costa (E) mit dem Lambo #163 und Norbert Siedler, Mikael Grenier und Ricardo Feller mit der traditionellen Teamstartnummer #14.

Als einer der Direktoren der Emil Frey Gruppe übernimmt Lorenz Frey-Hilti in Zürich nicht nur Verantwortung in vielen Bereichen des von seinem Grossvater gegründeten Unternehmens. Daneben ist der Zürcher auch Teamchef von Emil Frey Racing in Safenwil. Für das Tagesgeschäft und die technische Leitung ist jedoch Jürg Flach zuständig.

Nachdem sich Lorenz Frey-Hilti kürzlich zur generell schwierigen Situation der Autobranche zu Wort gemeldet hatte (Link zum Interview), äussert er sich nun im exklusiven Gespräch mit AutoSprintCH zu Fragen um seine Sportmannschaft und die zu erwartende Rennsaison.

Wie wirkte sich die Corona-Krise bisher auf das Rennteam aus?

Lorenz Frey-Hilti: «Als Rennwerkstätte durften wir unter verschiedenen Hygiene- und Abstandsregeln weiterarbeiten. Die Rennfahrzeuge wurden wieder für den nächsten Einsatz vorbereitet und die gewonnen Daten von dem letzten Test analysiert. Auch haben wir zwischenzeitlich Vorbereitungsarbeiten für die Langstreckenrennen vorgenommen und mit den Ingenieuren die Weiterentwicklung am Simulator vorangetrieben. Trotzdem mussten wir Kurzarbeit beantragen, aber keine Entlassungen vornehmen. Mitarbeitende haben Überstunden abgebaut und Ferien bezogen, weil es im Herbst eine Ballung der Termine gibt. Schön ist, dass jeder die schwierige Situation versteht, obwohl Ferien nur zu Hause möglich waren. Zum Glück ist auch niemand krank geworden.»

Lorenz Frey-Hilti lebt und liebt den Autorennsport. Der Teamchef jubelt und leidet mit seinem Team.

Emil Frey Racing ist ja Referenzteam von Lamborghini Squadra Corse. Wie verlief die Zusammenarbeit in der Zeit der geschlossenen Fabrik in Italien und der Grenzen?

Lorenz Frey-Hilti: «Mit Lamborghini haben wir einen Partner, der uns sehr unterstützt. Auch während der Betriebsschliessung in Italien standen wir im ständigen Austausch. Der Transfer von Teilen war etwas schwierig und verzögerte sich halt, aber letztendlich ist alles da, was wir für den Saisonstart benötigen.»

Langsam werden die Massnahmen gelockert und erste Grenzen geöffnet. Was bedeutet das für Emil Frey Racing?

Lorenz Frey-Hilti: «Unmittelbar vor dem Lockdown in vielen Ländern Europas konnten wir Mitte März noch mit anderen Teams die offiziellen Testfahrten der GT World Challenge Europe in Le Castellet absolvieren. Danach wurden die beiden Lamborghini Huracán GT3 EVO zerlegt, überprüft und wieder zusammengebaut. Seither stehen sie rennbereit da und warten darauf, gefahren zu werden. Jetzt müssen wir einen gemeinsamen Weg finden, um vor Beginn der verspäteten Saison noch testen zu können. Ausser für die 24 Stunden von Spa darf man das nach Saisonbeginn nicht mehr. Am liebsten wäre uns eine der im neuen Kalender stehenden Strecken, die wir noch nicht kennen.»

Wo liegt die primäre Herausforderung?

Lorenz Frey-Hilti: «2019 fuhren wir mit Michelin-Reifen. Mit Pirelli, wie wir sie in der GT World Challenge Europe verwenden müssen, haben wir auf dem Lamborghini fast keine Erfahrungswerte. Daher wäre es gut, wenn wir mit diesen Reifen noch einige Testkilometer abspulen könnten. Momentan ist diese Koordination etwas schwierig, aber es geht ja allen Teams so. Wir bereiten uns anhand der neuen Termine so gut als möglich vor.»

https://www.facebook.com/emilfreyracingofficial/videos/274940540189975/

In den letzten paar Wochen blieb Mikael Grenier, wie seinen Teamkollegen, nur Simracing zu Hause. Tönt und sieht aus fast wie echt, wenn er in Spa-Francorchamps fährt…

Kann Emil Frey Racing an die erfolgreiche Blancpain-GT-Saison von 2018 mit Lexus, als es den dritten Gesamtrang und den Titel im Silver Cup mit Jaguar absetzte, anknüpfen?

Lorenz Frey-Hilti: «In der ab 2020 GT World Challenge genannten Serie geht es so eng zu wie in keiner anderen GT3-Meisterschaft. Auch wenn einige Teams oder Fahrer, die dafür bezahlen, womöglich in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten und nicht überall erscheinen können, wird das Feld noch sehr gross sein. Zudem kennen wir nicht alle Strecken. Klar ist es unser Ziel, ganz vorne mitzumischen. Wir haben drei Werksfahrer und drei weitere schnelle Piloten im Team, erfreulicherweise mit Ricardo Feller auch wieder einen aus der Schweiz. Wir sind uns bewusst, dass es schwierig werden wird. Bei bis zu 60 Autos muss alles zusammenpassen. Mit dem kleinsten Fehler ist man hinten, selbst wenn man ansonsten einen sehr guten Job macht.»

Der Kalender sieht nun von Sommer bis Herbst einen Mix aus acht Sprint- und Langstreckenrennen vor. Die 24 Stunden von Spa finden so spät wie noch nie statt. Was ist davon zu halten?

Lorenz Frey-Hilti: «Klar, ein so später Termin ist ein Risiko. In den Ardennen kann dann schönes Herbstwetter herrschen oder schon Schnee fallen. Diese Autos sind ja nicht für ganz tiefe Temperaturen gebaut, obwohl diese speziell in der Nacht sowieso zu erwarten sind.  Aus sportlicher Sicht kann das Wetter jedem einen Strich durch die Rechnung machen. Aber Spa ist das absolute Saisonhighlight, es gibt nichts Schöneres und auch kein aufwändigeres Rennen. Lamborghini hat es noch nie gewonnen – der erste Sieg wäre ein Traum und ist das grosse Ziel. Es wäre schade, dort nicht zu starten. Und ich kann mir auch ein Rennen ohne Zuschauer nicht vorstellen. Ich hoffe, dass es bis dahin eine Lösung geben wird.»

Der zum zweiten Mal modifizierte Kalender der GT World Challenge Europe sieht nun je vier mal zwei Sprintrennen und vier Langstreckenrennen vor. Strecken wie Imola und Magny-Cours sind Neuland für viele.

emilfreyracing.com

gt-world-challenge-europe.com

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